Tour de Eifel RSF Bochum & Freunde

Wie die Ruhris zu Bergziegen wurden und ein Guide, den seine Freunde Kerosin nennen.

20190622_164008Neun Fahrer incl. einer Fahrerin machten sich über Fronleichnam 2019 auf in die Vulkaneifel in den vom Fernsehwasser bekannten Ort Gerolstein. Dort schlugen sie in dem charmanten Hotel Landhaus Tannenfels für vier Tage ihr Fahrerlager auf.

Für jeden Tag waren jeweils zwei Touren in den Versionen L für langsam und S für schnell (logisch!) von 100 bis 150 km mit 1.400 bis 2.700 hm in jeweils alle vier Himmelsrichtungen geplant. Also nach „oben“ Voreifel/Bad Münstereifel, nach „unten links“ Schneifel/Bitburg, nach „rechts“ Hocheifel/Mayen, nach „unten rechts“ Vulkaneifel/Wittlich.

Hierzu hatte Robert ein umfangreiches Roadbook erstellt, in dem die Sehenswürdigkeiten der Touren und die Tracks verzeichnet waren. Mit der Routine eines Natives waren die Routen geschickt über Nebenstraßen und gut asphaltierte Wirtschaftswege fernab der Zivilisation und des übermotorisierten Individualverkehrs geplant. So stellte sich über weite Strecken das Gefühl eines autofreien Langsonntages ein. Einzig um Adenau an der Nordschleife des Nürburgrings zeigte sich ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, was dem 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring geschuldet war.

Das Feld teilte sich schnell entsprechend der Leistungsklassen auf, so dass jeder in seinem Tempo fahren konnte. Sehr schön war, dass es immer wieder gemeinsame Treffpunkte und gemeinsame Mittagspausen gab.

Robert führte voller Begeisterung die Freunde aus dem Ruhrgebiet durch seine Heimat. Mit Freunden organisierte er Pausenstationen, die Wasser, Bananen, Laugengebäck und Gewürzgurken feilboten. Bei der Gewürzgurke soll es sich um das Zaubermittel der Eifler Radsportler handeln, mit dem die Energiespeicher schnell aufgefüllt werden. Eine ähnliche Wirkung erzeugte übrigens der Kuchen vom Vortag, mittels dessen sich einige Fahrer am ersten Tag im Cafe „Am Salzmarkt“ in Bad Münstereifel die Power für das Wochenende anfutterten.DSC05922

Während der gemeine Radsportler aus Bochum und Umgebung sich meist an der Hängen der Elfringhauser Schweiz, des nördlichen Sauerlandes, des Bergischen Land und auf der Kemnader Straße erprobt oder für eine ausgewiesene Bergetappe ruft: „Komm, wir fahren zum Sender!“ oder für eine flotte Abfahrt gerne von der Hohensyburg der Ruhr entgegen rollt, boten sich hier kurze steile Anstiege, die in 30 Minuten mit zügiger Schrittgeschwindigkeit über 100 hm erklimmen ließen. Ein Königreich für ein größeres Ritzel! Anschließend entlang der Bergrücken bei klarer Sicht grandiose Ausblicke in alle Himmelsrichtungen genossen. Auf jeden Anstieg folgte eine rasante langgezogene Abfahrt über steile Serpentinen. Asphalt aus der Anflugperspektive, man schien ihn praktisch zu küssen. Bisweilen verschwammen die Grenzen zwischen Anstieg und Abfahrt. Es ist die Anekdote überliefert, dass Lorenz sich auf einer Abfahrt wähnte, entsprechend die dicksten Gänge trat und sich schweißüberströmt wunderte, dass er keine 25 km/h erreichte. Es ging ja bergauf…

20190622_162148Das Hotel Landhaus Tannenfels bietet mit Hochflorauslegeware, Messingbeschlägen, Verblendungen in Eiche rustikal eine Zeitreise in die 1980er Jahre. Eine Urkunde attestiert Eifler Gastlichkeit 1992. Drei Generationen kümmern sich liebevoll um die Gäste. Die Zimmer mit Bad waren sauber. Zum Frühstück gab es Brötchen, ein Ei, Wurst, Käse und Kaffee. Das Abendbrot stand pünktlich um 18.30 Uhr mit täglich wechselnder Beilage auf dem Tisch. Auf die Wünsche der nicht vorab gemeldeten Vegetarier ging der Wirt unkompliziert ein. Schnell waren gebackener Camembert, Rührei oder Reibekuchen herbeigezaubert. Sonderwünsche nach einer stabilen Versorgung mit Eifler Landbier wurden zuverlässig erfüllt. Alternativ bot die Getränkekarte Warsteiner vom Fass oder Bitburger aus der Flasche. Für die Fahrräder stand eine abschließbare Garage zur Verfügung. Insgesamt also ein idealer Ausgangsort für ein gelungenes Radsportwochenende.

Zum tollen Wetter, der guten Stimmung, der perfekten Organisation (hier ein großes Dank an Martin Schepers und Robert) kam hinzu, dass sich kein Unfall und auch keine Panne ereigneten. Auch die Kontakte zu den Einheimischen waren erfreulich. So wurden die Radsportfreunde bei einem Besuch des Vereinsjubiläums 100 Jahre SV-Gerolstein überschwänglich mit Freibier, Freipizza und Freibockwurst im Brötchen bewirtet.

Während die Pedalleure nachts ihren gerechten Erholungsschlaf genossen, war Robert noch weit über Mitternacht damit beschäftigt, die Routen entsprechend den Rückmeldungen für den nächsten Tag zu optimieren. Sein Zimmernachbar Detlev lauschte dann noch höflich interessiert, verabschiedete sich jedoch zügig und unbemerkt ins Reich der Träume.

Für die Tour nach Bitburg am letzten Tag schloss sich ein Freund von Robert der Gruppe an. Er rief Robert bei dessen Spitznamen, und der war Kerosin. Jetzt wurde klar, warum Robert nie eine Schweißperle auf der Stirn hatte, mit einem Grinsen im Gesicht die zweistelligen Anstiege nahm und dabei ohne Steigerung der Atemfrequenz über den Eifler an sich und das listige Bergvolk dozierte.20190622_175628

In den vier Tagen absolvierte die Truppe über 5.500 hm und über 450 km. Wer den Hals nicht voll bekam, fuhr am Sonntag via Bad Münstereifel und Cafe „Am Salzmarkt“ mit dem Fahrrad zurück nach Bochum. Die anderen setzten sich in ihre Autos oder den völlig überfüllten Eifelexpress mit einer defekten Tür im Fahrradabteil.

Perspektive: Am Montag den 19.08.19 findet letztmalig in diesem Jahr der Rad- und Lauftreff am Nürburgring statt. Hier können sich Fahrradfahrer und Läufer auf der Nordschleife & Sprint-Strecke in der Zeit 19.30 - 21.30 Uhr austoben. Robert hat sich angeboten, die Radsportfreunde hierzu zu begleiten.

Ein Bericht von Christoph Lotz

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