Flèche Allemagne 2017

Vier Radsportfreunde haben sich am Samstag an der Wasserburg Kemnade getroffen, um den diesjährigen Fleche Allemange anzugehen. Das Ziel ist wie immer die Wartburg in Eisenach.In diesem Jahr fand der von der ARA ausgerichtete Brevet ungewöhnich früh im Jahr statt, was wir in der Nacht noch zu spühren bekommen sollten. Wir starteten um 9.00 Uhr gemeinsam auf die von Joachim mit 411 km Länge geplante Strecke. Da die Regeln eine Mindeststrecke von 360 km vorsehen, wäre der direkte Weg von Bochum nach Eisenach zu kurz gewesen. Daher ging die Fahrt zunächst leicht nordöstlich in Richtung Bielefeld um dann über Paderborn und Kassel in Richtung Eisenach zu führen. Die selbstgeplanten Strecken werden bei der ARA eingereicht und als Nachweis diese Strecke auch gefahren zu sein, dienen Stempel von Geschäften auf der Strecke. Anders als bei einer RTF sorgt man selbst für Verpflegung, so dass wir bei Bedarf an Supermärkten und Tankstellen hielten.

Während meine Mitfahrer schon mehrmals an dieser Veranstaltung teilnahmen, war es für mich das erste Mal, eine so lange Distanz zu bewältigen. Respekt vor der Distanz war schon vorhanden, allerdings fahre ich doch genug Rad, um für so eine Strecke ausreichend trainiert zu sein. So machte mir die angekündigten Temperaturen in der Nacht doch mehr Sorgen. Ich leide bei meinen Wintertouren regelmässig unter kalten und schmerzenden Füssen. Und das schon nach 3-4 Stunden bei Temperaturen um den Nullpunkt. Uns erwartete aber eine ganze Nacht bei diesen Temperaturen...

Es macht keinen Sinn diesen Brevet auf Geschwindigkeit zu fahren, da die Regeln so ausgelegt sind, dass man um die Nutzung des vollen Zeitrahmens von 24 Stunden kaum herumkommt. So gingen wir die Tour auch ziemlich gemütlich an. Wir quatschten ein bischen über Dies und Das und rollten so vor uns hin. Die ersten 200km waren ohne nennenswerte Höhenmeter zu fahren. Es war trocken, wir hatten sogar einige Minuten Sonnenschein und solange man sich moderat bewegte, war die Temperatur auch sehr angenehm. Als wir Paderborn hinter uns liesen und sich die ersten Höhenmeter mit sanften Wellen anmdeldeten, wurde es langsam kühler. Dieser Streckenabschnitt war allerdings wunderbar zu befahren, denn wir hatten über viele KM keinerlei Autoverkehr und eine weite Sicht über die hügeligen Felder. Mit der untegehenden Sonne sanken dann auch die Temperaturen immer weiter in Richtung Nullpunkt. Wir hielten beim goldenen M um eine Kleinigkeit zu essen. Ich warf mir ein paar wärmere Klamotten über, denn nun wurde es nach jedem kurzen Stopp doch zunehmen schneller kalt. Der wolkenlose Himmel ermöglichte dann auch den Blick auf einen schönen Sternehimmel.

Joachim, ein erfahrener Brevet-Fahrer, der auch an Paris-Brest-Paris schon erfolgreich teilgenommen hat, fiel es in dem hügeligen Gelände zunehmend schwerer das Tempo an den Anstiegen mitzugehen. Manchmal läuft es eben nicht so, wie es sollte. Kennt wohl jeder Radsportler. So wurde unser herausgefahrenes Zeitpolster leider immer geringer. Dazu führte das "Erkalten" nach dem Anstieg mit Pause, zu "Schüttelfrost" auf der anschliessenden Abfahrt. Ein Trennen der Gruppe war keine Option! Mitten in der Nacht, irgendwo im Nirgendwo, bei Temperaturen von nun -2 Grad, war dies zu gefährlich. Um 5.00 Uhr kamen wir in ein kleines Dorf. Wir entschieden uns zunächst in ein "EC-Hotel" (Beheizter Raum mit Geldautomaten) einzukehren. Dort wärmten wir uns auf und berieten unser weiteres Vorgehen. Unser Zeitpolster war fast aufgebraucht. Ab jetzt mussten wir auch auf die Uhr achten.

Die Sonne ging auf. Wir waren wieder in einer bewohnten Umgebung, im "EC-Hotel" war es warm. Joachim gönnte sich die dringend benötigte Pause, während wir versuchten im Zeitrahmen anzukommen. Die Beine waren nicht mehr frisch, aber von nun an rollte es richtig gut. Fast schon wie beim Wochentraining kamen wir zügig voran...bis ins nächste Dorf...Da stiegen dann die beiden Garmins aus. Wir waren frisch, motiviert, wollten und konnten fahren. Nur wussten wir zunächst nicht mehr wohin! Und wieder standen wir, und wieder froren wir. Jetzt fehlte Joachim, der die Strecke geplant hat und auch ohne Navi den Weg gewusst hätte. Nach einigen erfolglosen Versuchen die Navis wieder zur Arbeit zu überreden, orientierten wir uns über Google-Earth neu und fuhren dann in die vermutete Richtung weiter. Es wartete die letzte Kontrolle, eine 24 Stunden Tankstelle in Heringen auf uns. Dort mussten wir uns möglichst um Punkt 7.00 den Kontrollstempel holen, bevor wir die lettzen 40 km bis zur Wartburg antreten konnten. Der ursprüngliche Plan war, an dieser Tankstelle nochmal 30 Minuten zu frühstücken um dann frisch gestärkt den Rest der Strecke locker weg zu radeln. Diese Pause konnten wir vergessen, denn dafür war keine Zeit mehr. Aber schaffen konnten wir es noch bis 9.00 Uhr. Aber wo ist diese Tankstelle? Ja, es gab dort eine Tankstelle, aber die war geschlossen ! Was nun? Ohne Kontrollstempel war die "Prüfung" (Brevet) nicht bestanden. OK, man weiss natürlich, dass man 400 km fahren kann. Sich selbst hatte man es bewiesen. Aber so kurz vor dem Ziel wollte ich es dann auch offiziel haben. Wir irrten noch etliche Minuten umher, in der Hoffnung die andere, geöffnete Tankstelle zu finden. Wir würden wohl ohne Stempel und nicht in der vorgegebenen Zeit ankommen... Dann ein Licht am Ende des Tunnels: Ein Gruppe Rennradfahrer war in einiger Entfernung zu sehen. Hinterher! Uwes Navi meldete sich zum Dienst zurück. Wir waren wieder auf der vorgesehenen Strecke ! Aber ohne den letzten Kontrollstempel. Es half ja nichts...zur Wartburg mussten wir auf jeden Fall. Nachdem wir der Gruppe einige Km gefolgt sind, bog sie unerwartet ab. Nach kurzem Überlegen entschlossen wir uns ihnen zu folgen, obwohl das Navi einen anderen Weg wies. Keine 200 m weiter war eine Bäckerei und eine geeignete Kontrollstelle! Dort sind die also alle hingefahren! Neue Hoffung kam auf. Wir hatten sogar noch Zeit für ein Brötchen und einen Kaffee. 1h 20min. Zeit und nur noch 29 km, wie ein Fahrer aus einer andere Gruppe uns mitteilte. Locker zu schaffen. Ich hätte aber besser nicht nur nach der Entfernung, sondern auch nach den Höhenmetern fragen sollen. Es ging bis nach Eisenach auf und ab. Der letzte Anstieg zur Burg hoch ist dann zwar nochmal knackig, aber kurz. Oben wartete schon Anke, Mark's Frau, die uns lachend empfing. Uwe hat stellvertretend für Joachim den Bürokratie-Kram erledigt und uns feierlich die Medallien überreicht. Nachdem wir uns einen Augenblick ausgeruht hatten, fuhren wir zum Automobilmuseum, wo das offizielle Abschlussessen stattfand. Dort stiess auch Joachim wieder zu uns. Die Pause reichte ihm um genug Kraft für den restlichen Weg zu sammeln.

Gerade weil nicht immer alles geklappt hat, war es ein Erlebnis welches ich nicht so schnell vergessen werde. Vielen Dank an Joachim, der die Orga übernommen hat und eine schöne Strecke geplant hat, auf der er uns auch zielsicher geführt hat. Danke auch an Mark, für die gute Unterhaltung und den Windschatten, den er der Gruppe über weite Strecken gespendet hat. Natürlich auch an Anke, die nicht nur das Gepäck sondern auch gute Laune mit nach Eisenach brachte und alle sicher heim fuhr. Und zuletzt an Uwe, dessen "Banana Bread" mich an einem der letzten Anstiege vor Eisenach rettete und sich einmal mehr als toller Mitfahrer erwies, mit dem man überall hinradeln kann.

 

Nous sommes randonneurs ;-)

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